Landschaftsfotografie: Spreewald | Foto: Dieter Eikenberg, imprints

Wanderungen durch den Spreewald

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Mit dem Auto fahren wir – kein Scherz – von Calau, unserem „Stützpunkt“, nach Lübbenau, der „Spreewald-Hauptstadt“. Inspiriert durch das Kapitel „In den Spreewald“ aus den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ (Band 4) wollen wir uns auf die Spuren des Autors Theodor Fontane begeben.

Slog – Heuschober im Spreeland

Wie dem Dichter vor 160 Jahren fallen auch uns bei der Anreise die speziell geformten Heuschober auf den Wiesen am Rande des Weges auf. Die niedersorbische bzw. wendische Bezeichnung für diese glockenförmigen im Freien aufgeschichteten hohen Heuhaufen lautet „Slog“. Wie wir später erfuhren gibt es seit einigen Jahren sogar einen Verein mit dem symbolträchtigen Namen „Heimatgeschichte Slog e.V.“, der sich um die Bewahrung der kulturellen und sozialen Geschichte im Spreewald kümmert.

Start in der “Spreewald-Hauptstadt”

Genau wie Fontane stoßen wir zu Beginn unseres Besuchs in Lübbenau auf die im 18. Jahrhundert erbaute Kirche. Auch für uns erklingen beim Betreten der Sankt-Nikolai-Kirche satte Orgeltöne.

Mit den vom Dichter ausführlich geschilderten Szenen in und um das Gotteshaus herum können wir nicht mithalten. Die geschilderte sprachliche Aufteilung des Gottesdienstes – Predigt wendisch, kirchenamtliche Mitteilungen deutsch – wird es heute sicherlich nicht mehr geben. Fontanes süffisante Kommentierung zu den damaligen Verhältnissen: „Der Staat, der bloß mit deutschem Ohre hört und nicht Zeit hat, in der Eil auch noch Wendisch zu lernen, tritt mit der nüchternsten Geschäftsmiene dazwischen und verlangt deutsches Aufgebot und deutsche Taufscheine.“

Auf dem Kahn durch den Wald

Auf eine existierende mehrsprachige Gesellschaft gibt es allerdings auch heute noch deutliche Hinweise. So finden sich auf Straßenschildern neben den deutschen Begriffen meist auch noch die wendischen Äquivalente. Auf dem Ortseingangsschild Lehde ist zusätzlich die wendische Bezeichnung Lédy zu lesen.

Dem Dichter auf den Fersen verlassen auch wir nun den festen Boden. Am „Hafen“ besteigen wir eine „Gondel“. Komfort und Prozedere können noch heute gut mit Fontanes Worten beschrieben werden: „Bänke mit Polster und Rückenlehne versprachen möglichste Bequemlichkeit während ein Flaschenkorb (…) noch für mehr als bloße Bequemlichkeit sorgen zu wollen schien. (…) Am Stern des Bootes, das lange Ruder in der Hand, stand ein Funfziger, dem der Ruder- und Steuermannsdienst in unserem Spreeboot oblag.“ Die Bootsführer „stehen aufrecht am Hinterteile des Boots, das sie nach Art der Gondoliere vorwärts bewegen. (…) Der tägliche Verkehr bewegt sich auf dem endlosen Flussnetz. (…) Selbst die reichen Herden dieser Gegend werden ins Boot getrieben und gelangen in ihm von Stall zu Stall oder von Wiese zu Wiese.“

Ergänzend können wir – wie gesehen – berichten, dass auch die Postzustellung heute noch via Boot erfolgt.

Fontanes Empfehlung – Lehde

Ortseingangsschilder, wie wir sie von Straßenbeschilderungen her kennen, finden sich auch entlang der Wasserstraßen. So erfahren wir kurz nach dem Start unserer Tour, dass wir nunmehr in Lehde angekommen sind, laut Fontane einer „Lagunenstadt in Taschenformat, ein Venedig, wie es vor 1500 Jahren gewesen sein mag.“

Weiter im Text mit den noch heute überwiegend zutreffenden Worten des Dichters: „Man kann nichts Lieblicheres sehn als dieses Lehde, das aus eben so vielen Inseln besteht, als es Häuser hat. Die Spree bildet die große Dorfstraße, darin schmalere Gassen von links und rechts her einmünden. (…) Das Wohnhaus ist jederzeit ein Blockhaus mit kleinen Fenstern und einer tüchtigen Schilfdachkappe; das ist das Wesentliche; seine Schönheit aber besteht in seiner reichen und malerischen Einfassung von Blatt und Blüte.“

In Lehde sollten Sie unbedingt einmal das Boot verlassen. Ein Besuch des dortigen Freilandmuseums lohnt sich allemal! Der besondere Charme liegt darin, dass man die Innenräume der historischen Gebäude betrachten kann. Leider fehlte mir bei meinem Besuch die Zeit, diese abzulichten. Draußen trafen wir eine sehr freundliche, mit Gartenarbeit beschäftigte Frau in wendischer Tracht. Die Abweichungen der Kleidung bezogen auf die Schilderungen Fontanes erklärte sie mit regionalen Besonderheiten und modischen Weiterentwicklungen im Laufe der Jahrzehnte.

Und dann: Der rote Hahn, der uns entgegen kam. Wo der Geist Fontanes weht, ist der Stechlin nicht weit. Also – vom Standort her aus dem Rahmen fallend – findet er verbunden mit diesen Phantasien Aufnahme in meine Bildergalerie.

Wasserstraßen der Ruhe

Die mehrere Stunden dauernde Fahrt durch den Spreewald, sie wird nie langweilig! Lassen wir noch einmal Fontane plaudern: „Ein niedriges und dicht gewölbtes Laubdach über uns, so gleiten wir im Boot die Straße hinauf (…) Alles in einem wunderbaren Licht.“

Diese meist in vielfältigen Grüntönen daherkommenden pittoresken „Lichtbilder“ erleben auch wir. Hinter jeder Biegung des Wasserlaufs, auf dem wir gerade dahingleiten, öffnet sich eine neue eindrucksvolle Szenerie mit vom Spreewasser gespiegelten Motiven. Hinzu gesellt sich an heißen Tagen ein durch die Abschattung der Bäume entstehendes angenehmes Klima. Und: Eine herrliche Ruhe!

Gleitender Lärm im Wald

Ruhe? Nun, vielleicht nicht immer. Die laute Mitteilsamkeit anderer Bootsinsassen über die Gebissprobleme von Opa, dem Übergewicht der Enkeltochter und ähnlichen Themen von immenser Bedeutung kann die Stille bisweilen etwas beinträchtigen. Durchaus steigerungsfähig, wenn man Bootsbesatzungen im Gegenverkehr erlebt, die Bierflaschen schwenkend zu lautstarken Gesängen anheben.

Denkbar, dass unser Dichter noch nicht mit solchen Problemen konfrontiert war. Tourismus damals und heute – da gibt es sicherlich Unterschiede.

Nutria, Libellen und mehr

Mit meinen Fotos möchte ich ein paar visuelle Eindrücke von den schönen Seiten meiner Tour zeigen. Auf das Ablichten der „Schnapsdrosseln“ habe ich gerne verzichtet.

Natürlich präsentiere ich Ihnen auch Eindrücke, die Fontane nicht oder nur sehr allgemein beschrieben hat. Dabei ist es durchaus wahrscheinlich, dass auch der Schriftsteller etwa einer Nutria oder den Libellen, die als kleine, leuchtende Farbtupfer vor grüner Kulisse durch die Gegend schwirren, begegnet ist.

Auch für Landschafts-, Natur- und Tierfotografie gilt:
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