Wir besuchen Travemünde. Kein Auftrag, kein Stadtporträt. Nur Relaxen und Kaffeetrinken. Ganz ohne Kamera schaffe ich es es dann doch nicht.
Sierksdorf

Wir sind in einem der grauenvoll aussehenden Hochhäuser in Sierksdorf untergebracht. Derartige Gebäude werden wir in dieser Gegend noch häufiger zu Gesicht bekommen. Nun gut, wenn man aus einem solchen Gebäude in die Landschaft hinausschaut, sieht man das „Schmuckstück“ selber ja nicht. Oder? Alles eine Frage der Perspektive? Dafür ein herrlicher Blick vom Balkon aus auf die Ostsee?
Dann die endgültige Enttäuschung: direkt vor unserer Wohnstätte steht ein weiterer Wohnklotz. Der Blick auf die Lübecker Bucht teilt sich. Mittendrin baut sich vor unseren Augen ein grässlicher Betonblock auf.
Also verlassen wir früh unser Monstrum und gehen zum Strand. Solange wir nicht zurückschauen, gibt es hier wirklich nette Dinge zu sehen. Am Strand die typischen kleinen, steinbesetzten Landzungen. Auf dem Weg dorthin beeindruckt ein Baum, der von einer Schlingpflanze umgarnt wird. Etliche recht scheue Wildkaninchen vergnügen sich auf den Wiesen.






Schließlich reisen wir weiter, zu unserem eigentlichen Ziel: nach Travemünde. Ein großes Tankschiff steuert vor dem Priwall auf Travemünde zu. Oh, es wird gleich auf das Ufer auflaufen … Doch es schippert gemütlich weiter, mitten durch die Stadt, so scheint es.
Klotz oder Wahrzeichen
Wir spazieren die Promenade entlang, die sich im Laufe des Vormittags immer mehr mit am Wasser entlang flanierenden Menschen füllt. Landeinwärts blickend erschreckt uns das in den Himmel ragende Maritim-Hotel. Wenn Sie mich fragen: nicht schön!


Fotografisch kann man mittels Bildgestaltung und -bearbeitung aufhübschend eingreifen: Perspektivwahl, Teilansichten und Farbmanipulationen lassen eine gewisse Ästhetik entstehen.
Unter der Überschrift „Zwischen Klotz und Wahrzeichen“ schrieb Nadine Heggen auf der Website der Nordkirche:
„Am Maritim-Hotel in Travemünde scheiden sich die Geister. Urlauber schätzen den Komfort und die exponierte Lage. Kritiker finden, der Bau verschandle die Lübecker Bucht. Vor fünf Jahren stellte die Stadt Lübeck den Bau unter Denkmalschutz. Für die einen ist es der „hässliche Klotz“ der Lübecker Bucht, für andere das Wahrzeichen von Travemünde: Das Maritim Strandhotel polarisiert seit seinem Bau vor 51 Jahren. Der „Spiegel“ berichtete damals über eine Bürgerinitiative, die Unterschriften gegen die Errichtung des „riesigen Betonfingers“ sammelte, jedoch ohne Erfolg.“




Travemünde – tierisch gute Motive
Travemünde zeigt uns aber auch seine malerische Seiten. In den Straßen hinter der Promenade sehen wir viele kunstvoll gestaltete Häuser. Leider habe ich diesmal nicht das passende Objektiv zur Hand um die baulichen Schmuckstücke gut ablichten zu können.














Also wenden wir den Blick wieder Richtung Wasser. Unzählige Möwen lenken mit Tiefflügen und kokettierendem Posing auf Lichtmasten die Aufmerksam auf sich. Dann entdecken wir einen Austernfischer, an der Ostsee eher selten anzutreffen, auf emsiger Nahrungssuche. Ein schönes Tier!
In großen Mengen ordentlich aufgereihte Strandkörbe. Die wurden bereits unzählige Male abgelichtet – aber eben noch nicht von mir. Ich muss nun einfach auf den Auslöser drücken.
Noch ein beliebtes Fotomotiv: Am Priwall liegt das Museumsschiff Passat. Ein Travemünder Wahrzeichen, das mir wesentlich besser gefällt als der Betonklotz auf der gegenüberliegenden Seite. Schade nur, dass man den Viermaster nicht mehr in Aktion sehen kann. Das Segelschiff liegt hier dauerhaft vor Anker. Früher umsegelte die Passat (Baujahr 1911) bis in die fünfziger Jahre hinein die Welt.

Bild vom Café-Tisch mit Glasplatte – nein, kein Objektiv mit Wasserflecken!
Zur Pause ins Straßencafé: Ein Blick auf den Glastisch: dort spiegeln sich Himmel und Umgebung. Ein Blick Richtung Trave und Meer eröffnet uns eine imposante Bewegung auf dem Wasser. Das Traditionsschiff „Lisa von Lübeck“ segelt stolz auf die offene See zu, mittelalterliches Flair verbreitend. So muss es früher ausgesehen haben, oder so ähnlich.
Nun, zurück in unserem Betonturm, gehen wir nochmals auf den Balkon. Am Himmel zieht dunkles Gewölk auf, ein Gewitter naht. Glück gehabt, wir sitzen im Trockenen. Durch eine kleine Lücke in der dunklen Wolkenwand strahlt die Sonne ein Transportschiff an, das wie ein strahlend weißer Stab durch das dunkle Umfeld gleitet.
Das von Thomas Mann in den Buddenbrooks beschriebene Idyll Travemünde, es ist schwer zu finden. In zweiter und dritter Reihe ist es noch zu erahnen. Auf dem Wasser geht es mit Phantasie mitunter gar zurück ins Mittelalter. Blenden wir die neuzeitlichen Hässlichkeiten aus, dann lohnt sich ein Besuch.
Privat oder geschäftlich:
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