Das Gut Herbigshagen – ein tierisch beindruckendes Naturerlebnis für Groß und Klein. Für mich sollten diesmal die Pfauen im Mittelpunkt des Interesses stehen.
Pfauen in Freiheit
Wie viele der anderen hier auf dem Hof der Heinz-Sielmann-Stiftung beheimateten Tiere können sich die Pfauen auf dem Gutsgelände frei bewegen. Ein wenig Abstand zum Menschen möchten die Pfauen schon, das merken wir. Aber, wenn man sich unaufgeregt durch das Gelände bewegt, stressfrei für Mensch und Tier, kommen die farbenprächtigen Pfauen-Vögel doch sehr nah an uns Besucher heran. So können wir aus geringer Distanz die Schönheit der Pfauen in Ruhe betrachten.
Ein Radschlag der Pfauen
Und wenn man etwas Glück und Geduld hat, schlagen die Pfauen schon mal ein Rad. Ein imposantes Naturerlebnis. Dann wird noch deutlicher, welch kunstvolles Design die Natur hier geschaffen hat.















Natürlich kann man neben den Pfauen auf dem Hof noch viele weitere Tiere betrachten: Schweine, die sich genießerisch im Schlamm suhlen, Kaninchen, die sich gerne mal als Hase titulieren lassen müssen, Enten, die gerne mal Rennen veranstalten, … Mehr Informationen bietet die Website vom Gut Herbigshagen.
WAR SONST NOCH WAS?
Oh ja! In Deutschland stehen 2026 mehrere Wahlen an. Besonders beängstigend empfinde ich dabei die Prognosen für die Landtagswahlen am 6. September in Sachsen-Anhalt: 40% für die AFD! Oder mehr? Vielleicht stellen die Rechtsextremisten dann mit Ulrich Siegmund gar den ersten AFD-Ministerpräsidenten in einem Bundesland. Für mich eine Schreckensvision, die hoffentlich nie wahr werden wird.
Mir fallen dabei Parallelen zu historischen Ereignissen in Thüringen aus dem Jahr 1930 ein, von denen ich nachfolgend berichten möchte.
Sicher, Geschichte wiederholt sich nicht deckungsgleich. Ansonsten halte ich es mit Winston Churchill, der 1948 im englischen Unterhaus in Anlehnung an eine Sentenz des Philosophen George Santayana sagte:
„Wer aus der Geschichte nicht lernt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“
Demzufolge mein Appell an alle: Lasst uns folgende Geschichte eine Warnung sein und daraus lernen.
Sachsen Anhalt 2026 im Spiegel von Thüringen 1930
Im Januar 1930 wurde Wilhelm Frick, ein fanatischer Gefolgsmann Adolf Hitlers, als erstes NSDAP-Mitglied in eine deutsche Landesregierung gewählt. Ein Mann, der für seine feindliche Gesinnung gegenüber der parlamentarisch-demokratischen Gesellschaftsordnung bekannt war. Er wurde Innen- und Volksbildungsminister von Thüringen. Gleichzeitig bekleidete er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden der Landesregierung unter Staatsminister Erwin Baum. Später machte er unter Hitler zeitweise als Reichsminister des Inneren Karriere. Im Rahmen der Nürnberger Prozesse wurde er 1946 zum Tode verurteilt.
Wie konnte es 1930 überhaupt dazu kommen, dass mit Frick der erste nationalsozialistische Minister in eine Landesregierung aufgenommen wurde? Entscheidend war die Zustimmung der DVP-Abgeordneten im damaligen Landtag von Thüringen. Die Deutsche Volkspartei (DVP) war zu Zeiten der Weimarer Republik eine nationalliberale Partei, dessen Mitglieder nach 1945 ihre politische Heimat teilweise in der neu gegründeten CDU fanden. Die Landtagsabgeordneten der DVP äußerten 1930 zwar „erhebliche Bedenken“ gegen die Aufnahme des Nationalsozialisten Frick in die Regierung, stimmten aber letztendlich zu. Die, wie man heute sagt, „Brandmauer“ gegen Rechts war eingestürzt.
Bereits in den Jahren zuvor war ein spürbarer Rechtsruck in Thüringen zu verzeichnen gewesen. In Folge des Ergebnisses der Landtagswahlen von 1924, die NSDAP war zu dieser Zeit noch verboten, hatte sich eine „bürgerliche“ Minderheitsregierung (DVP, DNVP, Landbund, DDP) gebildet, die auf die Unterstützung des nationalsozialistisch orientierten „Völkisch Sozialen Blocks“ baute. Der Abbau unliebsamer kultureller Errungenschaften und Aktivitäten stand von Beginn an auf der Agenda der neuen Machthaber. So wurden etwa dem Bauhaus, einer international anerkannten Architektur- und Kunstschule, die Mittel gekürzt.
Ende 1929 erhielt die NSDAP bei den Landtagswahlen in Thüringen 11,3 Prozent der abgegebenen Stimmen. Bezogen auf das Ergebnis der vorangegangenen Wahlen von 1927 entsprach dies etwa einer Verdreifachung des Stimmenanteils. Schaut man auf die aktuellen Prognosen für die AFD bei den anstehenden Landtagswahlen im September 2026, ist dies sogar ein vergleichsweise niedriger Wert. Der derzeit geschätzte Stimmanteil für die AFD in Sachsen-Anhalt liegt bei ca. 40%.
Nun sei an dieser Stelle eingeräumt, dass es sicherlich Unterschiede zwischen der damaligen NSDAP und der heutigen AFD gibt. Ebenso sind unsere heutigen gesamtgesellschaftlichen Verhältnisse nicht mit denen der späten Weimarer Republik gleichzusetzen. Aber: Es gibt Parallelen.
Fakt ist, dass die AFD eindeutig rechtsextremistische Positionen vertritt. Sie verfolgt Zielsetzungen, die ein enormes Risikopotential für unsere Demokratie beinhalten. Historischer Fakt ist ebenfalls, dass die Nazis der späten Weimarer Republik die Machtergreifung zunächst unter dem Deckmäntelchen der Einhaltung demokratischer Regeln anstrebten. Wohin das alles schließlich führte, ist hinreichend bekannt.
Zurück zu den politischen Konstellationen im Thüringen des Jahres 1930. Infolge des Wahlergebnisses Ende 1929 ergab sich folgende Situation: Mit sechs Sitzen im Landtag war die NSDAP das Zünglein an der Waage. Die bürgerlichen Parteien (Landbund, Wirtschaftspartei, DVP, DNVP, DDP) waren für die Regierungsbildung auf die Unterstützung der Nationalsozialisten angewiesen. Auf Betreiben Hitlers verlangten die Nationalsozialisten im Gegenzug eine direkte Regierungsbeteiligung. So kam es schließlich zur Ernennung des NSDAP-Mitglieds Wilhelm Frick zum Innen- und Volksbildungsminister in Thüringen.
Der neue Minister wurde schnell im Sinne der von Hitler vorgegebenen Strategie tätig:
- Bereits am 29.03.1930 wurde im Landtag ein von Frick eingebrachtes Ermächtigungsgesetz verabschiedet. Damit wurde die Kontrolle der Landesregierung durch das Parlament, zumindest zeitweise, weitgehend außer Kraft gesetzt.
- Unliebsame Beamte wurden entlassen und gegen nationalsozialistisch gesinnte Personen ausgetauscht. So wurden beispielsweise die Polizeidirektionen von Weimar und Gera durch Vertraute des neuen Ministers ersetzt.
- Der betriebene Personalabbau im öffentlichen Dienst traf hauptsächlich eher sozialdemokratisch gesinnte Mitarbeiter.
- Im Ministerium für Volksbildung wurden drei NSDAP-Mitglieder als „Fachberater“ einberufen. Dazu der renommierte Historiker Volker Ullrich: „Sie übten eine Art Nebenregierung aus, hatten Zugang zu Personalakten, die sie nutzten, um unliebsame Lehrer anzuschwärzen. In den thüringschen Behörden zog ein Geist allgegenwärtigen Verdachts und der Denunziation ein.“
- Eine Verwendung des Anti-Kriegsromans „Im Westen nichts Neues“ als Schullektüre wurde untersagt. Stattdessen solle der „deutsche Wehrwille gestählt“ werden, so die Nazi-Ideologie.
- Im April 1930 wurden Schulgebete zur Pflicht erhoben. Die hierzu vorgeschlagenen Texte hatten teilweise eindeutig antidemokratischen Charakter. Die „Freiheitsgebete“ beinhalteten beispielsweise den nationalsozialistischen Schlachtruf „Deutschland erwache“.
- Anfang April 1930 gab Frick den Erlass „Wider die Negerkultur für deutsches Volkstum“ heraus. Auf dieser Basis kam es zu zahlreichen Verboten von Theateraufführungen. Dies betraf beispielsweise Stücke von Friedrich Wolf, Ernst Toller und Walter Hasenclever.
- Gegen Ende des Jahres 1930 ließ Frick Kunstwerke von Otto Dix, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Paul Klee aus dem Schlossmuseum in Weimar entfernen.
- Der Rassentheoretiker Hans F.K. Günther wurde auf Betreiben Fricks als Professor an die Uni Jena berufen. Zunächst sollte dessen Stelle „Lehrstuhl für menschliche Züchtungskunde“ heißen. Schließlich wurde sie in „Lehrstuhl für Sozialanthropologie“ umbenannt. Zur ersten Vorlesung des neuen Professors zum Thema „Die Ursachen des Rassenverfalls des deutschen Volkes seit der Völkerwanderungszeit“ erschien als Gast Adolf Hitler.
Mittels eines schließlich auch von der DVP-Fraktion unterstützten Misstrauensantrags von SPD und KPD wurde der Nazi-Spuk in Thüringen am 01.04.1931 vorübergehend beendet. Resümierend stellt der Historiker Volker Ullrich fest: „Während seiner Amtszeit hatte Frick einen Vorgeschmack dessen geliefert, was von einer Machtübernahme der Nationalsozialisten zu erwarten war. Für vierzehn Monate hatte Thüringen als ein Experimentierfeld gedient, auf dem sie die Maßnahmen erproben konnten, die sie in noch weit größerem Umfang drei Jahre später auf Reichsebene umsetzen sollten.“
Eine umfassendere Darstellung der oben geschilderten Geschehnisse von 1930/31 in Thüringen bietet das 7. Kapitel des Buches „Schicksalsstunden einer Demokratie“ von Volker Ullrich. Diese insgesamt sehr zu empfehlende Publikation trägt den Untertitel „Das aufhaltsame Scheitern der Weimarer Republik“. Diese Ergänzung kennzeichnet das, was das Buch so wertvoll macht, seine Erkenntnis: Es gab immer wieder Chancen die Zerstörung der damaligen Demokratie zu verhindern. Bleibt zu hoffen, dass wir die uns aktuell bietenden Gelegenheiten zur Verteidigung unserer demokratischen Gesellschaft nutzen.
Am 23.01.1930, dem Tag der Inthronisierung Fricks als Minister in Thüringen, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende im thüringischen Landtag: „Der heutige Tag wird durch die Wahl des Herrn Frick zu einem Tag der politischen und kulturellen Schande Thüringens.“ – Ich hoffe, dass wir einen solchen Satz in Folge der Ergebnisse der kommenden Landtagswahl am 06.09.2026 in Sachsen-Anhalt bezogen auf dieses Bundesland nicht wiederholen müssen.
Dieter Eikenberg, Diplom Sozialwirt und Fotograf
26.06.2026
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